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HDR Fotografie hilft bei Landschaftsaufnahmen.

HDR-Fotografie erklärt: Die besten Tipps und Tricks

Die HDR-Fotografie ist eine großartige Möglichkeit, den visuellen Eindruck eines Bildes durch ausgeglichene Schatten und Lichter homogen erscheinen zu lassen. Sie ermöglicht es, sowohl die dunkelsten als auch die hellsten Teile eines Motivs perfekt zu kontrollieren.

Was ist HDR-Fotografie und was macht ein HDR-Bild aus?

HDR steht für High Dynamic Range und bedeutet übersetzt so viel wie Fotografie mit einem großen Dynamikumfang. Dies wirft die Frage auf, was überhaupt der Dynamikumfang eines Bildes ist. Dieser wird üblicherweise in EV, für Exposure Value, angegeben und bezeichnet den Quotienten zwischen dem kleinsten und größten Helligkeitswert eines Bildes. Der kleinste Helligkeitswert befindet sich im Bereich der Schatten und der größte im Bereich der Lichter. Nicht jedes Motiv besitzt sowohl sehr dunkle als auch sehr helle Bildbestandteile. Bei Motiven die allerdings einen solch hohen Kontrastumfang aufweisen, erweist sich die HDR-Fotografie als nützliches Mittel, um

  • in beiden Helligkeitsbereichen die Bildinformationen zu erhalten und
  • ein stimmiges Gesamtbild entstehen zu lassen.

Das fertige HDR-Foto stellt schließlich eine Kombination aus mehreren, unterschiedlich hellen Aufnahmen dar, die per Software zu einem einzigen Bild verrechnet wurden. Das Ganze klingt erst einmal gerade für Landschaftsfotografen ziemlich verlockend.

Was sind die Vorteile und was die Nachteile von HDR-Fotos?

Das sind die Vorteile der HDR-Fotografie.

HDR-Fotografie bietet bei Bildern mit hohen Kontraste viele Vorteile.

Trotzdem hat die HDR-Fotografie in der jüngsten Vergangenheit nach einem schieren Boom um diese Technik deutlich an Popularität verloren. Dabei liegen die Vorteile von HDR-Fotos auf der Hand:

  1. Mehr sichtbare Details
  2. Kontrolle des Kontrastumfangs
  3. Plastischer Bildlook

Dadurch, dass in einem Bild mehr Strukturen vorhanden sind, ist es erst einmal für den Betrachter interessanter, sofern nicht zu viele Details sichtbar werden. Da außerdem der Kontrastumfang durch die Anfertigung mehrerer Aufnahmen kontrolliert werden kann, entsteht bei dem fertigen Bild ein plastischer Bildlook mit dreidimensionalem Charakter. Es gibt allerdings auch Nachteile von HDR-Fotos:

  1. Ergebnisse wirken schnell unnatürlich
  2. Kamera muss fixiert sein
  3. Motivbewegungen sind kaum kontrollierbar

Während des HDR-Booms wurde der Markt von schlecht gemachten HDR-Fotos mit übertriebenem Effekt geradezu überschwemmt. Dies hatte zur Folge, dass das Interesse an dieser Technik deutlich abnahm. Gute HDR-Fotos sind allerdings auch heute noch gerne gesehen. Nachteilig ist in diesem Zusammenhang allerdings, dass die Kamera bei der anzufertigenden Belichtungsreihe fixiert sein muss und Motivbewegungen kaum kontrollierbar sind, weil ohne absolut deckungsgleiche Einzelbilder kein deckungsgleiches Gesamtbild mehr entstehen kann.

Welche Motive eignen sich für HDR-Fotografie besonders?

Das vorrangige Einsatzgebiet für HDR-Aufnahmen liegt in den Genres Landschaft und Architektur. In diesen Segmenten stoßen Fotografen immer wieder auf schwer kontrollierbare Motive und Belichtungsszenarien. Die Kameraindustrie hat diese Problematik schon vor längerer Zeit erkannt und entwickelt seitdem immer bessere Sensoren für die neuesten Kameramodelle. Diese besseren Sensoren ermöglichten es in der Vergangenheit schon etlichen Fotografen, auf die Anfertigung einer Belichtungsreihe verzichten zu können, weil die neueren Sensoren immer bessere EV-Werte aufwiesen. Sie konnten also von sich aus bereits hohe Kontrastumfänge ansprechend in einem einzigen Bild darstellen. Nichtsdestotrotz sind die Möglichkeiten der Sensortechnik nach wie vor begrenzt und erfordern beispielsweise bei

  1. Sonnenuntergängen,
  2. tief stehender Sonne in der Stadt oder
  3. Innenaufnahmen von Architektur

dennoch das Anfertigen einer Belichtungsreihe. Doch wie ist nun die konkrete Vorgehensweise beim Anfertigen eines HDR-Fotos und wie kommen Sie zum fertigen Ergebnis?

Wie und mit welcher Ausrüstung wird die Belichtungsreihe erstellt?

Die richtige Ausrüstung für HDR-Fotografie.

Damit die Belichtungsreihe gelingt, muss die Kamera stabil stehen.

Zuallererst benötigen Sie zumindest eine Einsteiger DSLR, die es ermöglicht, die Belichtung manuell zu steuern und in RAW aufnehmen zu können. Außerdem benötigen Sie:

  • ein gutes (!) Stativ
  • einen guten Stativkopf
  • einen Fernauslöser bzw. Timer

Die manuelle Belichtungssteuerung bieten alle Spiegelreflex Kameras am Markt an, selbst die günstigsten Modelle. Etliche Modelle haben mit dem BKT-Knopf (englisch für Bracketing) auch schon eine gewissermaßen automatisierte Einstellung für Belichtungsreihen implementiert. Im Rahmen dieser Funktion können Sie einstellen, wie viele Aufnahmen Sie anfertigen möchten und um wie viele Blenden sich die einzelnen Aufnahmen voneinander unterscheiden sollen. Empfehlenswert ist in dieser Hinsicht ein Abstand von zwei Blenden. Die Zahl der benötigten Aufnahmen richtet sich nach dem jeweiligen Motiv, wobei in vielen Fällen drei bis fünf Aufnahmen ausreichend sind. Beginnen können Sie mit der automatisch errechneten Belichtungszeit. Ausgehend von dieser Aufnahme fertigen Sie solange hellere Aufnahmen an, bis in den dunklen Bereichen noch ausreichend Zeichnung vorhanden ist und wiederholen diesen Vorgang analog für die hellen Bereiche. Bei allen Aufnahmen sollten Sie entweder den eingebauten Selbstauslöser der Kamera oder einen professionellen Fernauslöser verwenden mit dem bestenfalls auch die Belichtungszeit gesteuert werden kann. Damit vermeiden Sie nämlich, die Kamera zwischen den einzelnen Aufnahmen anfassen zu müssen, was ggf. den Bildausschnitt minimal verändern kann.

Welche Software wird zum Zusammenfügen des HDR-Bildes benötigt?

Wenn Sie alle Aufnahmen erstellt haben, laden Sie alle Fotos der Belichtungsreihe auf den Rechner. Von nun an beginnt die softwaretechnische Zusammenfügung der vielen Einzelbilder zu einem finalen Gesamtbild. Die Software, mit der Sie arbeiten werden, muss also in der Lage dazu sein, die dunklen und hellen Bereiche Ihrer Bilder zutreffend zu analysieren und sich dann aus jedem Bild die Bereiche herauspicken, die optimal belichtet sind. Diese optimal belichteten Bereiche sollten dann von der Software Schritt für Schritt zum finalen HDR-Bild zusammengesetzt werden. Empfehlenswert sind die nachstehenden Programme:

  • Adobe Photoshop (Elements)
  • HDR Efex Pro 2
  • Franzis HDR Projects 4
  • Photomatix Pro

Da Photoshop ohnehin etliche Fotografen nutzen, ist es praktisch, dass Adobe eine Onboard-Funktion für HDR-Bilder bereits integriert hat. Die drei Programme HDR Efex Pro, Franzis HDR Projects 4 und Photomatix sind speziell für die Zusammensetzung von HDR-Bildern entwickelt worden und bieten abseits dessen nur spärliche Zusatzfunktionen. Gleichwohl liefern diese Programme im Gegensatz zu Photoshop manchmal bessere Ergebnisse, was in Anbetracht ihrer Spezialisierung hierauf aber auch nicht überraschend ist. Welches Programm Sie letztlich kaufen, können Sie anhand der von jeder Software erhältlichen Testversion selbst entscheiden.

Was sind Pseudo-HDRs und sind sie besser als richtige HDR-Fotos?

Pseudo-HDRs als Alternative.

Pseudo-HDRs sind keine wirkliche Alternative zu richtigen HDRs.

Abschließend soll noch auf sogenannte Pseudo-HDRs eingegangen werden. Oftmals kommt die Frage auf, ob diese eine ernsthafte Alternative zu vollwertigen HDRs darstellen. Mit der Bezeichnung Pseudo-HDR ist gemeint, dass als Ausgangsbasis für das fertige HDR-Bild lediglich ein einziges Bild und keine angefertigte Belichtungsreihe dient. Aus dem einzelnen zur Verfügung stehenden Bild werden allerdings beim Pseudo-HDR im ersten Schritt mehrere unterschiedliche entwickelte Bilder im RAW-Konverter hergestellt und so der Effekt einer Belichtungsreihe nachträglich simuliert. Empfehlenswert ist diese Vorgehensweise allerdings nur in seltenen Fällen und zwar aus den folgenden Gründen:

  • Eine vor Ort aufgenommene Belichtungsreihe enthält in der Regel mehr Tonwerte
  • Fehlende Tonwertinformationen können nicht per Software zurückgeholt werden

Wegen dieser vorgebrachten Argumente kann im Prinzip nur von Pseudo-HDRs abgeraten werden, denn wenn keine Bildinformationen in der Einzelaufnahme fehlen ist nicht nur eine Belichtungsreihe nur bedingt notwendig, sondern eine normale Entwicklung des Einzelbildes im RAW-Konverter, etwa mit den Reglern für Schatten und Lichter, ebenfalls zielführend.

Fazit zum Thema HDR-Fotografie

Abschließend lässt sich zum Thema HDR-Fotografie sagen, dass gut gemachte HDR-Fotos immer noch einen gewissen Reiz ausmachen, aber die Zeit der unnatürlich zusammengesetzten Bilder mit absolut unrealistisch aussehenden Kontrasten ist auf jeden Fall vorbei. Wenn Sie in das Thema einsteigen wollen, sollten Sie sich zu Ihrer Kamera ein gutes Stativ und ein entsprechendes Bildbearbeitungsprogramm zulegen. Lassen Sie von Pseudo-HDRs besonders am Anfang eher die Finger und machen Ihre ersten Gehversuche in der HDR-Fotografie am besten mit einem kontrastreichen Landschaftsmotiv.

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